Das Berufsbild der Lehrperson im Justizvollzug

I. Allgemeines
 

Das Ziel des Vollzuges ist ein Bildungsziel, nämlich die Befähigung der Gefangenen zu einem Leben ohne Straftaten. Zur Verwirklichung dieses Bildungszieles bedarf es einer ausreichenden Anzahl von hauptamtlichen Lehrern und eines differenzierten Bildungsangebotes mit ausreichender materieller Ausstattung in den Justizvollzugsanstalten.

 


II. Dienstverhältnis

  1. Der hauptamtliche Lehrer muss die Voraussetzungen für ein Lehramt an öffentlichen Schulen erfüllen.
  2. Er arbeitet innerhalb des vollzugsrechtlichen Rahmens und der Bestimmungen des öffentlichen Bildungswesens - soweit sie auf den Justizvollzug anzuwenden sind - fachlich eigenverantwortlich.
  3. Nach einer Erprobungszeit wird der Lehrer in der Regel und unter Ernennung zum Lehrer oder Oberlehrer in den Justizvollzugsdienst berufen.
  4. Dienstvorgesetzter des Lehrers ist der Anstaltsleiter.
  5. Die Ausübung und die personelle Besetzung der Fachaufsicht der Aufsichtsbehörden soll unter Beteiligung des Lehrers erfolgen.
  6. Schon im eigenen Interesse sollte der Vollzug - wie für andere Berufsgruppen auch - für seine besonders qualifizierten Lehrer ausreichend Beförderungsstellen vorsehen.
     

III. Aufgaben

Der hauptamtliche Lehrer im Justizvollzug unterstützt das Vollzugsziel durch

  • Die Einrichtung und Betreuung von Bildungsangeboten,
  • die verantwortliche Mitwirkung bei der Ausgestaltung des Vollzugsalltages unter pädagogischen Gesichtspunkten einschließlich der besonderen Förderung sozialer Lernprozesse auch außerhalb von Bildungsmaßnahmen und
  • die Mitarbeit bei der Ausbildung des Vollzugspersonales.

Die Aufgabenstellung des einzelnen Lehrers ergibt sich aus der jeweiligen Anstaltskonzeption, den personellen Rahmenbedingungen und seinen individuellen Interessen und Voraussetzungen (beispielsweise Fächerkombinationen). Die Angebote werden sich, wo dies möglich ist, an den klassischen, abschlussorientierten Angeboten schulischer und beruflicher Bildung orientieren. Aber dort, wo dies mangels ausreichender Strafzeit oder Bildungsvoraussetzungen der Gefangenen nicht möglich ist, wird es flexibler Angebote bedürfen. Um die Reichweite seiner Arbeit zu verbessern, sollen dem Lehrer nach Möglichkeit weitere Mitarbeiter an die Hand gegeben werden. Allgemein lassen sich die möglichen Aufgabenfelder folgendermaßen auflisten und gruppieren, in denen dann Schwerpunkte gebildet werden können:

 

Organisation

Unterricht und Betreuung

Vollzug

  • Einrichtung, Leitung und Fortentwicklung schulischer und beruflicher Bildungsmaßnahmen
  • Zusammenarbeit mit externen Bildungsträgern
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Berichte
  • Auswahl und Betreuung der nebenamtlichen Lehrkräfte
  • Entscheidung über die Aufnahme der Gefangenen in die Lehrgänge
  • Beschaffung und Verwaltung von Lehr- und Lernmitteln
  • Überregionale Zusammenarbeit mit anderen Ausbildungsanstalten
  • Teilnahme an Anstalts- und Hauskonferenzen
  • Durchführung von Konferenzen
  • Mitwirkung bei der Freizeitgestaltung
  • Betreuung der ehrenamtlichen Mitarbeiter
  • Leitung der Gefangenenbücherei
  • Erteilung von Unterricht in den Bildungsmaßnahmen
  • Betreuung der Lehrgangsteilnehmer
  • Durchführung von Kurs- und Einzelgesprächen
  • Entwicklung lehrgangsbegleitender Maßnahmen
  • Organisation von Fördermaßnahmen
  • Ansprache bildungsunwilliger Gefangener
  • Unterricht in den Maßnahmen für die Ausbildung und Fortbildung der Bediensteten
  • Mitarbeit an der Behandlungsuntersuchung und in den Vollzugskonferenzen
  • Beteiligung an Disziplinarmaßnahmen sowie vollzuglichen Stellungnahmen
  • Gegebenenfalls auch vollzugliche Leitung der Schul- oder auch der Aufnahmeabteilung
  • Beteiligung an der Auswahl der Mitarbeiter im Justizvollzug

 

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