Bundesarbeitstagung vom 17. bis 19. Mai 2004 in Kirkel / Saarland
Grenzüberschreitungen
 - Ansätze trankskultureller Pädagogik im Justizvollzug 
Protokoll


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Grußworte

Herr Peter Bierschwale,
Vorstand der BAG
beim Grußwort
 Frau Ingeborg Spoerhase-Eisel,
 Justizministerin des Saarlandes,
im Gespräch mit Gästen
Herr Victor Gäwihler,
Direktor der Gefängnisse des Kantons Zürich
im Gespräch mit einem BAG- und EPEA-Mitglied
In einer Arbeitsgruppe 
am Nachmittag

Ein Land – vier Sprachen: Vom Umgang der Schweiz mit kultureller und sprachlicher Vielfalt
Victor Gaewihler, Gefängnisse Kanton Zürich

Die Schweiz wird gerne als Musterland für Toleranz und Verständnis zwischen den Sprachregionen dargestellt. Der Referent legt in seinen Ausführungen dar, dass diese Qualifizierung zu relativieren ist. Die Kenntnisse der andern Landessprachen sind marginal und der Vormarsch des Englischen und ein wachsender Anteil von Ausländerkindern in der Schule verstärken diese Tendenz noch. Durch die föderalistischen Strukturen werden Verbesserungen erschwert.

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Projekte aus dem pädagogischen Alltag

Projekt H.E.R.O. - Selbstlernprojekt mit Laptops
Walter Bohner, JVA Erlangen
Das Projekt wurde in der Sozialtherapeutischen Anstalt Erlangen mit drei Gefangenengruppen in den Jahren von 2002 bis 2003 durchgeführt. Im Rahmen dieses Projektes konnten Gefangene eine Lernumgebung ausprobieren, die Lernerfolge mit Hilfe von modernen Technologien wie zum Beispiel Nutzung von Notebooks und von E-Mail-Kommunikation ermöglicht. 
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Das Aquarium als Lernmöglichkeit für den Unterricht in der Ausbildungsabteilung, Nicola Wimmers, JVA Meppen
Der Biologielehrer steht vor den Schwierigkeiten, welche die Naturwissenschaften im Allgemeinen und die Biologie im Speziellen zu bewältigen haben: ein wachsendes Desinteresse an naturwissenschaftlichen Themen. Unabhängig davon, ob es sich hier um ein internationales Problem handelt oder nicht, trägt der Erfahrungshorizont der meisten Inhaftierten sein Übriges dazu bei, das Phänomen zu verschärfen. Die Wenigsten hatten in ihrer Sozialisation Kontakt zur „Natur“ und damit die Möglichkeit eines intensiven Erfahrens, Erlebens und damit Lernens per se. Dadurch ist der Biologieunterricht mehr und mehr zu einem rein theoretischen Unterricht ohne jede Begegnung geworden. 
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Integration von Russlanddeutschen
Thomas Brückner, JVA Kleve
Nach einem kurzen Exkurs über die Begriffe Spätaussiedler (i.S.d. Bundesvertriebenengesetzes), Integration und Assimilation und der Darstellung der Zuwanderungsströme seit 1945 stellt Kollege Brückner JVA (NRW) dar, wie es zur Einrichtung eines speziellen Kurses für Aussiedler im Jahr 2000 kam und schildert Erfahrungen mit dieser speziellen Lerngruppe.
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Integrationskurs für Immigranten
Natalia Winter, JVA Ottweiler
Unserer Migranten brauchen keine Abgrenzung, sondern Kontakte zu den übrigen Gefangenen, Integration statt Assimilation. Wir müssen die andere Mentalität, den anderen kulturellen Hintergrund erst einmal erfahren und begreifen. Zuwendung ist erforderlich, nicht Ablehnung oder Stigmatisierung. Kursangebote sind nicht nach Nationalität, sondern nach Bedürfnis und Notwendigkeit einzurichten.
Entlassungsvorbereitung: Projekt „Job4You“ 
Andreas Haacke, Job4You Dienstleistungswerk, Hameln
"Nur durch Training werden Hemmungen oder Ängste vor dem Vorstellungsgespräch abgebaut. Kenntnisse über Körpersprache und Styling erhöhen die Selbstsicherheit"
"Durch eine frühzeitige Kontaktaufnahme mit den Unternehmen in der Zielbranche, erhöhen sich die Arbeitsplatzchancen überproportional. Da Personaleinsatzpläne permanent der Auftragslage angepasst werden, können Initiativbewerbungen per e-Mail erfolgreich sein"
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Hameln, 08. Oktober 2004:
Andreas Haacke, ah-net@t-online.de, schrieb hierzu: 
Guten Tag, 
der in Kirkel vorgestellte virtuelle Arbeitsmarkt ist funktionsfähig.  Unter
www.arbeit-regional.de ist jetzt die bundesweite Stellen- und  Ausbildungsplatzsuche möglich. Die Ihnen vorgestellte Form der digitalen Bewerbung kann ab sofort genutzt werden.
Job4You, Ostertorwall 2, 31785 Hameln, Tel.: 05151/407787, Fax: 05151/407792
, www.arbeit-regional.de

PC-Recycling-Werkstatt
Elisabeth Schneider
, Die Wille gGmbH, Berlin, www.eco-pc.de
Unser Leitspruch:
„Den Einzelnen in seiner Besonderheit erkennen und seine Fähigkeiten unterstützen.“
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Projekte mit Studenten der Uni Dortmund in der JVA Iserlohn
Klaus Knott , JVA Iserlohn
"...Die Studenten wollten Beobachtungen anstellen, um Defizite der Gefangenen festzustellen, die wirklichen Bildungsinteressen aufzudecken und  Begabungen der Jugendlichen  zu erkennen. Um die mit der Selbstreflexion verbundenen Probleme nicht zu groß werden zu lassen, sollte diese Arbeit in ein „unverfängliches“ Thema eingebunden sein. Die Beteiligten entschieden sich für Hobby- und Interessengruppen während der Freizeit und Neigungsgruppen sowie Arbeitsgemeinschaften im Rahmen des schulischen Angebotes..."
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Entlassungstraining: Alltagsqualifikationen und Rückfallprophylaxe
Dagmar Moll, JVA Würzburg
Die Teilnahme am Entlassungstraining soll den Gefangenen helfen, die vielfältigen Aufgaben, die die Entlassung an sie stellt zu bewältigen und die schwierige Zeit danach zu bestehen. Neben den Ausführungen, wie diese Ziele erreicht werden sollen, gibt das Referat Auskunft, wie eine Lehrerin zum Durchführen eines Entlassungstrainings kommt, wie das genaue Konzept aussieht, welche Gesichtspunkte man bei der Planung beachten sollte und wie das vorläufige Fazit aussieht.
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Präsentation der Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen

AG 1 Ethnien im Justizvollzug: Integration oder Separation? 
"Multikulturelle Vielfalt ist auch im Justizvollzug ein positiver Wert".
"Vollzugliche Pädagogik kann nur Angebote machen; wer nicht will, den können wir nicht integrieren".
Lernen am Modell sind erfolgversprechende Methoden:
Integration durch gelebtes Aufeinanderzugehen
Akzeptanz als Vorbild
Zum Download der Präsentation
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AG 2 Sprachen: Verständigung oder SCHLAGworte?
noch Baustelle...
AG 3 Chauvinismus & Gewalt. Grundwerte & Migranten.
Justizvollzug als Brennglas er Gesellschaft?
Nach der Vorstellung des Themas kam es innerhalb der Arbeitsgruppe zu einer angeregten Diskussion, in deren Folge noch folgende Punkte zusammenfassend angesprochen wurden:
1. Zuerst folgte die Klärung der Begriffe "Machoverhalten und Chauvinismus besonders am Beispiel von Türken und Russlanddeutschen. Viele leiden anmaßloser Selbstüberschätzung und müssen andauernd Stärke beweisen. Das kostet viel Kraft, die dann für das Lernen fehlt.
2. Eine "Wertediskussion" endete schließlich in der Feststellung, die unter 1. angesprochenen Gefangenen dürfen nahezu alles, aber sie müssen sich letztlich an die hier bei uns geltenden Spielregeln halten, und dies ist unsere Verfassung, die für alle gilt.
3. "Wie können wir diesen Inhaftierte als Lehrer im Vollzug helfen?" 
Durch Vermittlung von Wissen, durch Erklärung unseres Systems? Das darf aber nicht in einer Recht oder Unrechtsdiskussion enden, denn Gerechtigkeit wird zwar angestrebt, gibt es aber letztlich nicht.
Junge AVD-Kollegen sind inzwischen gut ausgewählt und ausgebildet und können den Fachkräften /Pädagogen helfen, indem sie mit dem Gefangenen mehr reden im Vollzugsalltag und dadurch sich anbahnende Konflikte im entstehen bereits beseitigen und faires Verhalten dem Gefangenen gegenüber zeigen.

4. Ausblick zum Abschluss: Wir brauchen Zeit für die Integration und für die Erklärung der "Spielregeln", festgelegt durch die Verfassung (Grundrechte als wesentlicher Bestandteil). Wir haben nur kleine Erfolge und kommen auch nur in kleinen Schritten voran.  Wir müssen aber hier und heute beginnen mit der Integration und der Vermittlung der "Spielregeln".
Bernd Wolter, Dr. Joachim Köpper
AG 4 Falsche Bildungsangebote für die Gefangenen?
Nach der Teilnahme an Förderkursen muss eine weitere gute Betreuung folgen. Es bedarf eines echten „Netzwerkes“ , das auch für die Zeit nach der Haftentlassung greift. Ein Gesamtkonzept ist unabdingbar notwendig, um von der schriftsprachlichen Förderung bis zur beruflichen Qualifikation und zur echten gesellschaftlichen Integration zu kommen. Wir können nicht verlangen, dass die Migranten ihre “Identität“ aufgeben. Erst müssen wir sie verstehen, bevor wir erwarten dürfen, dass sie uns verstehen, und dieses Land als das ihre annehmen können.
Natalia Winter, JVA Ottweiler
Download zum Präsentation hier 

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