lBundesarbeitstagung in Bremen vom 26. bis 28 Mai 2003
Bildungsoffensive
- Protokolle -


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Grußworte

Anstaltsleiter der JVA Bremen 
beim Grußwort
Gastgeber Georg Ilgner 
eröffnet die Tagung 
Stellv. der BAG Bernd Detmer 
mit Kollegen
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Kulinarisches
 am Rande
Dr. Hans-Jürgen Eberle
 im Gespräch
Bruno Wendt liest aus seinem 
"Krimskrams"

Download zum Gesamtprotokoll hier


Zusammenarbeit von Wirtschaft und Justizvollzug
Erörterungen aus dem Ressort des Senators für Justiz und Verfassung der Freien Hansestadt Bremen,
Dr. Wiegand
Zum Download der Zusammenfassung  hier


Erste Ergebnisse der Arbeitsgruppen vom Montagnachmittag


AG 2  Zusammenarbeit von Wirtschaft und Justizvollzug
Unter den Überschriften wie "wichtige Aspekte", "zu erwartende Schwierigkeiten", und "erfolgversprechende Ansätze" wurde in einer lebhaften Diskussion festgestellt, dass die erarbeitenden Themenfelder (unsere Hausaufgaben!) zunächst innerhalb des Vollzuges abgearbeitet werden müssen, um dann als gleichberechtigter und selbstbewusster Partner in Gespräche / Kooperationsverhandlungen mit der Wirtschaft einzutreten.
Klaus-Dieter Blank, JVA Tegel, Steuerungsdienst
, KDBlankJVATegel@t-online.de


AG 3  Kooperation zwischen „ Internen“ und  „Externen“ bei Bildung und Beschäftigung im Vollzug
Die Bediensteten der Justizvollzugsanstalten sollten die Externen in ihren Arbeitsprozessen akzeptieren lernen und mit ihnen adäquat umgehen. Die Anstaltsleitungen sollten durch infrastrukturelle Maßnahmen die Arbeit der Externen unterstützen und Misstrauen reduzieren helfen. Wichtige Informationen über die den Externen unterstellten Gefangenen sollen mitgeteilt werden. Sie sollen Externe in die Diskussionsprozesse in der Anstalt einbeziehen, die dem Austausch und der Weiterentwicklung von Vollzugskonzepten dienen und die Bedeutung externer Mitarbeiter in der Vollzugsgestaltung zur sozialen Eingliederung der Gefangenen konkretisieren. - Die Abläufe in der Anstalt sollten transparenter für alle Akteure gestaltet werden. - Die Mitarbeiter des Justizvollzuges sollten sich an der Entwicklung und Weiterentwicklung von Bildung, Ausbildung und Beschäftigungsprojekten mit den Externen beteiligen.
Herr Peter – Stellvertretender Anstaltsleiter der JVA Bremen, Herr Welchner – Geschäftsführer des Vereins Hoppenbank e.V.
Zum Download "Bericht der AG 3"
hier


AG 4  Der Weg nach draußen - Übergänge unterstützt durch Reso-Beratung und Förderstrukturen? 
Zwei Fragen beschäftigten die Arbeitsgruppe vor allem:
Wer kann es leisten, eine kontinuierliche Betreuung von der Haft in die Freiheit zu leisten?
Die Antwort war eindeutig: Da der Vollzug zum Teil aus rechtlichen Gründen für die Zeit nach der haft nicht zuständig sein darf, ist diese Aufgabe von Externen besser zu
Ralf Bührs, Eduard Matt, Zum Download "Bericht der AG 4"
hier


AG 5  Frauen im Vollzug - Zugänge zu Bildung und Beschäftigung
Die Arbeitsgruppe hat sich mit zwei Fragestellungen befasst, zum einen mit einer Beschreibung des Ist-Zustandes inhaftierter Frauen zu Bildung und Beschäftigung, zum anderen mit den sich daraus ableitenden Forderungen und Konsequenzen. Der Anteil der Inhaftierten Frauen im  Vollzug liegt bei 4,5 Prozent.
Männer und Frauen sind anders, deshalb müssen wir von 100 Prozent Frauenvollzug rechnen. Wir haben in den Frauenvollzugseinrichtungen im Bundesgebiet hervorragende Beispiele für Bildungs- und Beschäftigungsangebote für inhaftierte Frauen - trotz der kleinen Zahlen. Dem Frauenvollzug kommt hier gerade deshalb in seiner Kreativität und Flexibilität eine Voreiterrolle zu. Vielleicht ja male eine Möglichkeit, dass die Männer sich etwas von den Frauen abgucken.
Dr. Hilde van den Boogaart, JVA Lübeck, Petra Huckemeyer, JVA für Frauen, Vechta, Berichterstatter: Heinrich Pfläging, JVA Köln,
Zum Download "AG 5: Frauen im Vollzug"
hier


AG 7  Interne Diagnostik: Wer macht was?
Nach der Einführung, in der Kollege Ilgner das in Bremen praktizierte Diagnoseverfahren vorstellte, setzte sich die Gruppe zunächst mit der Frage auseinander, welche Aspekte im Rahmen einer zustellenden Bildungsbedarfsdiagnostik wichtig sind. Dabei waren folgende Aspekte wichtig: Lerntechniken, handwerklich-motorische Fertigkeiten, soziale Kompetenz, kulturkreisspezifische Unterschiede, schulische Kenntnisse, kognitive Fähigkeiten und entscheidungsvorbereitend. 

Die folgende Gruppendiskussion machte vor allem zweierlei deutlich:
    1. Es gibt bereits eine Reihe von Diagnoseinstrumenten (z.B. HAMET), diese sind aber nicht überall bekannt. Auch das von großer Erfahrung gestützte persönliche Gespräch gehört weiterhin zum verbreiteten Standart, obwohl die Problematik der Objektivität bekannt ist.
    2. Ein umfassendes allen Ansprüchen genügendes und vergleichbar einsetzbares Verfahren scheint aber noch nicht mit der notwendigen wissenschaftlichen Begleitung entwickelt worden zu sein.

Für die Gruppe folgte daraus als Thesen an das Plenum folgendes:
    1. Der Vollzug muss in ein Diagnoseverfahren investieren.
    2. Es sollte ein Workshop in Hameln stattfinden. Thema: Wissensmanagement
    3. Es muss ein Rückmeldesystem an die Diagnostiker über den Vollzugsverlauf entwickelt werden.
 
Rolf Koch, Projektgruppe Forschung im Justizvollzug, Celle, Georg Ilgner, JUDIT Bremen, Zum Download "AG 7 Interne Diagnostik: Wer macht was?" hier


AG 8  Identität und System: Wie definiere ich mich?
8.1. Assoziationen zum Thema  
- überwiegend positiv, Arbeit im Justizvollzug flexibel,   
- abwechslungsreich und nahe am "Kunden" Gefangener mit Ziellinie Kunde   Gesellschaft als Resozialisierungsempfänger
8.2. Welche Arbeitsumstände können bei uns Identifikationskrisen auslösen? Als Varianten genannt wurden sowohl erlebte auch als auch denkbare  genannt. Ein Beispiel ist die Torpedierung von pädagogischen Maßnahmen. Eventuell vorhandene Misstrauenskulturen in der Arbeit in einer JVA.
8.3. Welche Maßnahmen können wir selbst unternehmen, um unsere Identität in der Arbeit / mit der JVA zu stärken? - Denkbare Ansätze wurden genannt: Professionalität durch Kompetenz und Leistung
8.4. Zentrale Thesen für das Plenum
- selbstkritisch und konstruktiv sein
- Überzeugung durch Kompetenz und Leistung
- wir erleben Lernerfolge (noch) hautnah
- Veränderungsprozesse müssen initiiert und auch gelebt werden

Herren Fischer und Schroven, Zum Download "AG 8 Identität und System: Wie definiere ich mich?"
hier


Das Projekt Apfelstrudel - eine pädagogisch-methodische Herausforderung mit Jugendlichen
Lustvolles Handeln nach dem Prinzip "KOPF HERZ HAND"  Learning by doing! Gemeinsames Tun und Erlernen unbekannter Tätigkeiten und fächerübergreifender Unterricht in einem kreativen Ambiente unter Berücksichtigung des Curriculums.
Wolfgang Riebniger, Schulrat,
moriest@nextra.at


E-learning im Strafvollzug: e-lis
Die Entwicklungspartnerschaft "e-Learning im Strafvollzug" entwickelt und erprobt Möglichkeiten des Telelernens beziehungsweise e-Learning für Inhaftierte. 6 Bundesländer (Hessen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Brandesburg und Berlin) sind mit 30 Teilprojekten in Vollzugsformen des Frauen-, Jugend- und Männervollzuges beteiligt die Justizbehörden werden bei der Durchführung der Bildungsmaßnahmen umfangreich durch externe Partner unterstützt. Die Finanzierung erfolgt aus Mitteln des EU-Programms EQUAL. Prof. Dr. Friedrich entwickelt für das Projekt mit seinem Bremer Technologie-Zentrum Informatik an der Universität Bremen eine gemeinsame Computer-Lernplattform, über welche die Inhaftierten und die Unterrichts-Pädagogen aus den Teilprojekten miteinander kommunizieren können. Gemeinsames Lernen im "virtuellen Klassenzimmer" soll genauso möglich werden, wie der Zugriff auf Lern- und Informations-Software. Hierbei sind natürlich Fragen e Anstalts- und Datensicherheit zu berücksichtigen, insbesondere wenn daran gedacht wird den Inhaftierten auch in sicherem, missbrauchgeschütztem Umfang Zugang zu Informationen aus dem Internet möglich zu machen. Mit europäischen Nachbarländern sind Kooperationen zur Methodik des e-Learning im Justizvollzug verabredet worden. Nähere Informationen zeigt die Internetseite www.e-lis.de  
Professor Friedrichs, Universität, Bremen. Protokoll: Klaus-D. Vogel, JVA Berlin,
kdvogel@t-online.de


Projekt Chance
Der Projektverbund "Chance" in Bremen wurde anhand zentraler Dimensionen dargestellt: die Ausdifferenzierung des Angebots nach den Möglichkeiten der Insassen, die deutliche Arbeitsmarktorientierung, die Kooperation von internen und externen Institutionen sowie die Gestaltung des Übergangs von Haft in Freiheit unter dem Aspekt der Betreuung in beruflichen Fragen sowohl innerhalb als auch außerhalb der Anstalt durch die Berufshilfe. Von einer erfolgreichen Umsetzung konnte berichtet werden, aber auch die Einschränkungen durch die neue Arbeitsmarktpolitik mussten erwähnt werden
Georg Ilgner, JUDIT Bremen,
gilgner@judit.bremen.deEduard Matt, wissenschaftliche Projektleitung, ematt@justiz.bremen.de


ReOrg Projekte der JVA Tegel, Berlin: Arbeitswesen, Schule, Bildung, Freizeit
Reorganisation des vollzuglichen Arbeits- und Ausbildungswesens bei der JVA Tegel (30.10.00 - 30.06.02)
Projektziele
- Schaffung von mehr Arbeits- und Ausbildungsplätzen für Gefangene
- Schaffung wirtschaftlicher Strukturen / Erhöhung der Einnahmen.
Einige Ergebnisse
- Neuorganisation des Bereiches durch Einsatz eines
Betriebswirtes als  Geschäftsführer. Haushalts- und Personalverantwortung im Bereich. Stärkung der Betriebsleiter (Finanz- und Personalverwaltung
- Einsatz von Arbeitsvermittlern (direkte persönliche Aussprache der Gefangenen)
- Bekanntheitsgrad der Betriebe erhöhen (Prospekte, Kataloge, Internetauftritt, Ausstellungsräume außerhalb der Anstalt)
- Erzielung von Mehreinnahmen bereits während des Projektes
- Noch nicht erreicht haben wir die Erhöhung der Gefangenenarbeitsplätze

KDBlank.JVATegel@t-online.de
Projekt Bildung, in der JVA Tegel, Schule und Freizeit 
Ziel des seit Juni 2002 laufenden Projektes sind insbesondere die konzeptionelle Neuausrichtung der auf Bildung, Schule und Freizeit befassten Anstaltsbereiche sowie die qualitative und quantitative Verbesserung des Bildungs-, Schul- und Freizeitangebotes für die Gefangenen. Nach einer intensiv vor- und noch berufenen Interviewphase arbeitet das Projekt anhand der vorgenommenen Auswertung an insgesamt 17 Themenfeldern. 
Martin Riemer, Regierungsrat, Leiter des Servicebereiches, Telefax (030)90147-1209


 Radio aktiv - Knast-Radio  www.knast.net/knastradio Umschulung im Metallberuf in der Außenstelle Rothenfeld der JVA Landsberg
Acht bis zehn Insassen der Jugendanstalt Hameln produzieren seit über zwei Jahren eine wöchentlich einstündige Sendung für Hörer außerhalb der Mauern. Sie informieren über Ausbildungsmöglichkeiten, Schule und Maßnahmen und berichten über Veranstaltungen. Die Insassen haben die Aktion "Rettet das Knastradio" ins Leben gerufen, um ihr Projekt zu retten.

Das Knastradio ist bundesweit einmalig.

Marion-Anette Retkowske, Hameln, knastradio@web.de
Zum Download 

 Die Umschulungsmaßnahme begann 1972 zum Maschinenbauer, und die im Laufe der Jahre aufgetretenen Problehme, die einer dringenden Lösung erforderten, zum Beispiel -Änderung des Trägers - 
- Flexibilität des Einritts
- Erweiterung des Angebotes (Teilezurichter & Übungswerkstatt) 
- Kauf von gebrauchten Maschinen
- erhebliche Auswertung der Kleinteileproduktion mit erweiterten Einnahmen

Zwischenzeitlich ist die Maßnahme seit 30 Jahren etabliert. Das Ministerium hat uns im Jahre 2003 rund 610 0000 € für zwei Maschinen bereit gestellt.

 Klaus Weichert, JVA Landsberg


Projekt Gebäudereiniger  -  Grundlehrgang
Gebäudereinigung in der JVA Niederschönenfeld
Neue Wege der Berufsaubildung für junge Migranten
Der Grundkurs findet vorwiegend für schwächere Gefangene statt, die keine abgeschlossenen Berufsausbildung besitzen. Der Kurs endet mit einem qualifizierenden arbeitsmarktwirksamen Abschlusszertifikat des Arbeitsamtes Donauwörth.

Ergänzung folgt

Stefan Fischer, JVA Niederschönenfeld
stefan.fischer@jva-nsf.bayern.de
JVA Wiesbaden führt in Kooperation mit INBAS einen Modellversuch im Rahmen des BQF-Programmes des Bundesministeriums für Bildung und Forschung durch.

Der Modellversuch läuft über drei Jahre und beschäftigt sich mit der Kompetenzfeststellung von Migranten und neuen Wegen im Bereich von Qualifizierung, Aus - und Weiterbildung.

Das vollständige Referat finden Sie demnächst über den Download hier

Jörg Weber, Leiter des Modellversuchs, JVA Wiesbaden


Bildungsrat & Sicherheits- und Kontrollsystem
ich habe mich bei der Auswahl eines Projektes etwas schwer getan, denn einerseits soll dieser Vormittag dazu dienen, von interessanten pädagogischen Projekten zu berichten. Andererseits hätte ich von einem Projekt zu berichten, das nicht von Pädagogen stammt, aber die Arbeit von uns Pädagogen der JVA Celle massiv beeinflusst hat, ob positiv oder negativ – darüber mag man dann streiten. Aber nach meiner Einschätzung steht Ihnen dies allen noch bevor, so dass ich Sie sozusagen schon einmal „vorwarnen“ will. Also habe ich meinen kurzen Vortrag noch einmal aufgeteilt und berichte zuerst vom 

Bildungsrat des niedersächsischen Justizvollzuges SKS – das „Sicherheits- und Kontrollsystem“ und das vernetzte Arbeiten

der auf eine Initiative des Vorstandes der niedersächsischen LAG der Lehrer zurückgeht. Ausgangspunkt war die Unzufriedenheit der niedersächsischen Vollzugspädagogen über die Zusammenarbeit mit ihren Aufsichtsbehörden. Dabei hatten die neunziger Jahre interessant begonnen, immerhin hatten die Lehrer zusammen mit ihren Aufsichtsbehörden Grundsätze für ein Berufsbild entwickelt. Darüber hatte ich berichtet, und die Ergebnisse sind ja schließlich auch in die Diskussionen der BAG eingeflossen.

Das wurde das niedersächsische Justizvollzugsamt aufgelöst. Nicht, dass wir das bedauert hätten, aber für uns war ein Ansprechpartner weniger da. Ich weiß noch, wie ich damals im JM war und den für die Fachaufsicht über die Lehrer zuständigen Referenten gesucht habe. Als ich ihn dann gefunden hatte, musste er sich erst anhand einer Liste davon überzeugen, dass er auch für die Lehrer zuständig war. Wir waren also bei der Aufsichtsbehörde gar nicht im Bewusstsein vorhanden. Das setzte sich dann fort, denn beständig war nur der häufige Wechsel der für uns zuständigen Referenten! 

Wir haben dann als LAG einige, auch erfolgreiche Initiativen entwickelt, aber das war mehr sporadisch und nicht institutionalisiert. Und, im Gegensatz zu wenigstens einigen anderen Bundesländern, „durften“ wir unsere alljährlichen Lehrer- Fortbildungen der LAG aus eigener Tasche bezahlen. 

In den letzten Jahren reifte dann der Wunsch, die Zusammenarbeit mit der Aufsichtsbehörde, die Lehrerfortbildungen und die Zusammenarbeit mit anderen Bildungsträgern zu institutionalisieren. Ab dem Jahr 2000 formulierten wir unsere Unzufriedenheit mit der Fortbildungssituation und der mangelhaften Koordination der Bildungsangebote, auch die unzureichende Informierung über europäische Projekte gegenüber der Aufsichtsbehörde stieß sogar auf Gehör und Wohlwollen. 

Schließlich schlugen wir dem JM vor einen „Bildungsrat“ einzurichten. Dem sollten nicht nur die Fachaufsicht und Lehrer aus vollzuglichen Bereichen angehören, sondern auch Vertreter der Landesverbände von Trägern der Erwachsenenbildung, des Landesarbeitsamtes sowie der Erziehungswissenschaft. Wir hielten diese externen Vertreter aus verschiedenen Gründen für wichtig, beispielsweise, um Informationen über Finanzierungsmöglichkeiten oder Anregungen für neue Lehrgangsmodelle zu bekommen, aber auch, um über diesen Weg die „Pädagogik“ gegenüber dem JM etwas zu stärken. Das JM stimmte im Grundsatz zu, doch dann wechselte der Referent mehrmals und die Personalabteilung formulierte Bedenken in Sachen „Geld und Personal“. Es zog sich noch zwei weitere Jahre hin. Aber immerhin: 

Schließlich hat das Ministerium im wesentlichen unseren Vorstellungen entsprochen, und im März 2003 hat die erste, die konstituierende Sitzung des „Bildungsrats des niedersächsischen Justizvollzuges“ stattgefunden. 

Folie: Erlass JM 

Richtig losgehen wird die Arbeit ab Ende August 2003, weil dieser Bildungsrat dann zu einer dreitätigen Tagung zusammenkommen und über das Bildungsangebot des niedersächsischen Justizvollzugs beraten wird. Da wird es beispielsweise um die Lohngruppe von Gefangenen in Förderkursen gehen, um ein EDV-Info-System oder um die Verfahren bei der Verlegung von Lehrgangsteilnehmern.

Ich habe über diesen Bildungsrat berichtet, weil ich häufig von Kollegen höre, dass auch bei ihnen der Kontakt zur Aufsichtsbehörde nicht so gut ist. Vielleicht kann dieser kurze Hinweis eine Anregung geben. 

Peter Bierschwale, JVA Celle,
Bierschwale@t-online.de

um Einstieg in mein zweites Projekt erinnere ich einmal an die Mitgliederversammlung während der BAT in Frankfurt/0der 1999:

Der Kollege Dr. Eberle fordert die Mitglieder auf, Beiträge für die ZfStrVo zu verfassen, und diese ihm zu schicken, zu faxen oder zu mailen. Letzteres hätte er nicht sagen dürften, denn ein Kollege empörte sich fürchterlich: „Was soll denn das ? Wer hat denn einen Mailzugang“ Ich doch nicht!“ Wenige Monate später wurde seine Anstalt vernetzt und er hatte einen Zugang – zumindest dienstlich! In diesem Sinne sollten Sie  den zweiten Teil meines Vortrags verstehen.
Vor einigen Monaten ist in der JVA Celle die Renovierung der einen Hälfte unseres Hafthauses fertiggestellt worden, und in diesem Zusammenhang ist das sogenannte „Sicherheits- und Kontrollsystem“, abgekürzt SKS, eingeführt worden, meines Wissens handelt es sich um eine bisher in der BRD einmalige Software zur Verwaltung der Gefangenen ihrer Daten und Bewegungen. Seitdem haben wir zwei Sorten von Gefangenen: erstens den aus Fleisch und Blut und zweitens den „virtuellen“. Das geht so:
Vor Schulbeginn meldet sich der Gefangene bei seinem Stationsbeamten zum Abmarsch. Der Stationsbeamte sieht auf seinem Bildschirm, dass dieser Gefangene Lehrgangsteilnehmer ist. Melden sich noch mehr Schüler auf seiner Station, generiert er eine „Gruppe“, und mailt diese an unsere Pädagogische Abteilung. Es folgt der Abmarsch der Gefangenen, sozusagen reell und virtuell.
Beide, die Gefangenen und ihre Schatten kommen zunächst zum bis zur zentralen Hausaufsicht. Sind beide deckungsgleich, werden sie dort weitergeleitet von uns hereingelassen. Wir vergleichen die richtigen Gefangenen mit den Mails und quittieren die Ankunft per Mausklick. Wird nicht quittiert, gibt es nach einer Kulanzzeit Alarm. Alle Gefangenenbewegungen, ob zum Betrieb, zum Lazarett oder zum Sport, laufen nach diesem Schema. Das macht zunächst Arbeit, hat aber eine Menge Vorteile:
- Jeder Mitarbeiter der Pädagogischen Abteilung kann sofort an seinem Arbeitsplatz sehen, welcher Gefangene zum Unterricht in welchem Kurs erschienen ist – und wer nicht. 
Folie 1a:
Haben wir einen AvD-Kollegen in der Abteilung, der nicht alle Gefangenen kennt, ist das kein Problem mehr: Mit rechter Maustaste auf den Namen, und es erscheinen einige Daten und das Bild.
Folie 1b: Durch diese Software kann nicht nur jeder Bedienstete jederzeit sehen, wo der Gefangene liegt und wo er arbeitet. er kann auch erkennen, ob der Gefangene tatsächlich zur Arbeit gegangen ist. Der Stationsbeamte muss also nicht mehr mit dieser Frage telefonisch belästigt werden. 
Folie 2a: Sport und Freizeit werden auch so verwaltet, was bei der Fluktuation der Stations-Kollegen und der Gefangenengruppen sehr angenehm ist: keine zerfledderten Gruppenzettel mehr, keine Schmierereien. Die Gruppenteilnehmer, ob „Kraftsport“ oder „Musikgruppe“, werden vom Sportübungsleiter bzw. Freizeitkoordinator per EDV verwaltet. Der Kollege auf der Station muss nicht mehr nachfragen, ob der Gefangene X tatsächlich in der GMV sei. Er kann es im SKS sehen. Und was da steht, gilt!!
Folie 2b: Übrigens erhält mein Schulassistent auch seine Revisionsaufgaben per SKS und muss sie quittieren: „Kontrollieren Sie heute die Fenster auf der Gefangenentoilette!“ Das hat auch etwas mit Dienstaufsicht zu tun.
Wir, die Pädagogische Abteilung, haben dann dieses System noch weiter entwickelt: Früher schrieben wir sogenannte „Tagespläne“, druckten sie aus und verteilten sie im Haus. Da fanden sich die Unterrichtszeiten und die Freizeitgruppen. Richtig „stimmten“ sie natürlich nie, weil Lehrer erkrankt waren oder Ähnliches. Jetzt verwalten wir die Daten in Outlook, und jeder Kollege kann für jeden Tag – auch die kommenden – die Tagespläne in einem öffentlichen Ordner einsehen. 
Folie 3: Die Kollegen können also nicht nur sehen, wer beispielsweise in der GMV ist, sondern ob und wann überhaupt eine GMV-Sitzung ist. Und wenn die überraschend ausfallen muss, steht es Minuten später im Tagesplan – es ist für alle nachzulesen.
Zurück zum SKS: Nicht nur die erwähnten Daten erhält das SKS, auch alle Vollzugspläne und – Niederschriften. Früher waren auch das gesamte Verfügungswerk der JVA Celle in einem komplett gefüllten Aktenordner abgelegt, mühseliges Einordnen und Aktualisieren inbegriffen. Wenn Sie heute nicht genau wissen, welche Gegenstände auf dem Haftraum zugelassen sind, bekommen Sie das per Mausklicks ins SKS nebenbei am Schreibtisch heraus.
Die Kollegen auf der Station haben übrigens noch ein zweites System für die Verwaltung der Zellen und die Sicherheit, aber das würde hier den Rahmen sprengen. Dass wir die Gefangenen-Konten ähnlich verwalten, ist inzwischen wohl auch in vielen anderen Bundesländern üblich und sei nur an Rande erwähnt. 
Aber unsere Systemverwalter haben außerdem ein klasse „Info-System“ aufgebaut, wo Sie nahezu alles finden: Vom Speiseplan über viele Formulare (Die man nie fand, wenn man sie brauchte!) bis zum Dienstplan: Sie brauchen nicht mehr wegen des Kollegen X zu telefonieren: Sie sehen auf dem Dienstplan, das er Urlaub hat und nächste Woche im Frühdienst auf Station A ist.
Im letzten Jahr hat dann unsere Leitungskonferenz einen völlig abseitigen Beschluss gefasst: Jedes Mitglied der Leitungskonferenz wird verdonnert, seine Termine in OUTLOOK zu verwalten. Das trifft einen Lehrer nach dreißig Jahren mit roten Lehrerkalender natürlich in die Seele. Aber damit der Schmerz nicht zu groß würde, und die Termine auch unterwegs verwaltet werden können, hat die Anstalt jedem Mitglied der Leitungskonferenz einen ausgezeichneten PDA im Wert von über immerhin gut 300 € geschenkt und auch die private Nutzung zugelassen. (Erklärung „PDA“)

Ich kann inzwischen sagen: ein klasse System. Nicht nur, dass ich inzwischen alle Geburtsage so eingegeben habe, dass ich in den nächsten 200 Jahren daran erinnert werde. Es tun sich ungeahnte Möglichkeiten auf. Neulich musste ich wegen aktueller Ereignisse kurzfristig eine Sitzung zur Vorbereitung unseres Sommerfestes einberufen (das übrigens am 28. Juni stattfindet). Dazu brauche ich den Anstaltsleiter, Geschäftsleiter, Sicherheitsdienstleiter und andere – und außerdem einen Konferenzraum. Das ist in wenigen Minuten erledigt, ohne dass ich das Telefon angefasst und mir Absagen eingehandelt hätte: So sieht das aus:
Folie 4: Ich kann sofort sehen, wann alle können und sie zu diesem Termin einladen. In diesem Beispielfall könnten außer meinem Schulassistenten alle am Dienstag um 9.00, nur der SDL käme etwas später. Auch der Konferenzraum wäre frei und könnte gebucht werden („Anstaltsressource“). Und niemand könnte behaupten: „Ich habe keine Zeit!“  Das mag manchem von Ihnen zunächst alles etwas spinnert oder verwirrend erscheinen. Ist es aber nicht. Ich erinnere an mein Eingangsstichwort von der eMail. Als ich vor über zehn Jahren begann, auch für meine AvD-Kollegen EDV-Kurse anzubieten, maulte mein damaliger Geschäftsleite, herum: „Was sollen den die Schließer“, so wörtlich, „schon mit EDV?“. Jeder Bedienste der JVA Celle, nicht nur der vom AVD, ist heute praktisch berufsunfähig, wenn er PC und Software nicht fließend bedienen kann.
Peter Bierschwale, JVA Celle,
Bierschwale@t-online.de


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